Santa Mobil

x-mas2015

Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist die Entscheidung schon gefallen. Entweder sitzen Sie auch dieses Jahr „wegen der Familie“ die dunkelsten Tage des Jahres in der Heimat ab oder Sie genießen garantiert schneefreie Festtage nur ein paar tausend Kilometer weiter südlich. Für ein wenig Stimmung an Bord sorgen in beiden Fällen die süßen Bartträger im roten Bademantel, die jetzt im einschlägigen Reisemobil-Proviant-Fachhandel vorgehalten werden. Die Topmodelle haben wir für Sie auf die Eignung im harten Mobilalltag getestet.

Sind Schokonikoläuse nicht alle gleich? Um das herauszufinden, bitten wir erstmalig zu einem Test, bei dem schon am Anfang fest steht, dass die Testkandidaten diesen nicht überleben werden. Trotzdem stehen die Vertreter der August Strock KG (merci), von Kraft Foods (Milka)und Ferrero (Kinder) unerschrocken vor uns. Der Vertreter der Lindt Sprüngli GmbH (Lindt) hat noch einen Goldbären mit freundlicher Unterstützung von Haribo zur Verstärkung mitgebracht. Das freut unsere Verkoster sicher sehr, nützen wird es den beiden wenig.

Aufbau
In der ersten Etappe geht es um die äußeren Werte. Denn mehr als bei jedem anderen Konsumprodukt geht es bei diesen Sonderkonstruktionen für die Jahresendsaison um emotionale Optik, denn eine Tafel Schokolade gäbe es billiger zu kaufen, kompakter zu transportieren und auch einfacher zu verzehren.

Der merci-Mann kommt weniger konsumorientiert als seine Kollegen daher. Anstelle eins prall gefüllten Geschenksackes führt er nur eine güldene Dekorandeutung im hinteren Ladebereich mit. Zum Ausgleich schiebt er ein kaltes Herz aus Schnee vor sich her. Er ist auch der Kandidat im Test, der noch am stärksten an seinem Body-Mass-Index arbeiten muss. Rabatt beim Kassenbeitrag ist mit der Figur sicher nicht drin. Sein Karosseriebau überzeugt mit recht solide wirkendem Blech, das im Heckbereich zu einer soliden, aber wenig eleganten mehrfach umgebördelten Naht verarbeitet ist. Die Verarbeitung im vorderen Sichtbereich ist mit relativ wenigen Falten gut gelungen, nur ausgerechnet im Gesicht wird es knittrig.

Nach Art des Hauses schickt Lindt seine Crew mit aufwändigem Design-Tuning ins Rennen. Der Nikolaus punktet mit der goldenen Glocke, der Goldbär mit einer roten Schleife und Herz daran. Das wirkt sehr viel emotionaler als bei merci.  Mit einigen Präsent-Highlights vor der Brust und einem offensichtlich gut gefüllten Sack auf dem Rücken erfüllt der Nikolaus die Grundanforderungen an die Transportkapazitäten. Der Bär ist selber das Geschenk und kann auf die Andeutung zusätzlicher Offerten verzichten. Das Karosseriematerial aus dem Hause Lindt steht für konsequenten Leichtbau, macht dafür in beiden Fällen einen weniger stabilen Eindruck. Der Heckabschluss ist bei beiden Modellen einerseits mit einer kaum sichtbaren Naht sauber verarbeitet, andererseits verunsichern beide Modelle hier mit spaßbefreiten Nährwertangaben.

Milka tritt mit dem Sondermodell „Kuhflecken“ zum Test an, das ansonsten der Serienausstattung entspricht. Mit einem überquellenden Sack, der nicht mehr auf der Schulter getragen werden kann, werden kindliche Fantasien beflügelt. Der erhobene Zeigefinger bremst das gleich wieder etwas aus. Da war doch was mit artig sein und so? Entwarnung nach genauerer Inspektion: Auch dieses pädagogisch wertvolle Modell fährt heute politisch korrekt unbewaffnet, also ohne Rute, vor. Der Kabinenbau gibt sich solide mit ansehnlicher Materialstärke und extraflach ausgeführter Bördelkante.

Mit einer innovativen Karosseriekonstruktion geht Kinder ins Rennen. Wo der gesamte Wettbewerb eine einteilige Folie um den Schokoklops wickelt, setzt man bei Ferrero auf eine zweiteilige Bauweise. Damit erreicht man zwar eine weniger knittrige Oberfläche, aber handelt sich eine umlaufende und schlecht verarbeitete Wickelkante ein. Hier schiebt Santa Claus rundum eine scharfe Kante durch den Gegenwind. Das erhöht den Verbrauch und erzeugt Windgeräusche. Nur am Boden ist diese Kante sauber verarbeitet, damit der Barcode irgendwohin geklebt werden und er stehen kann. Designmäßig überzeugt dieses Modell ansonsten mit dem freundlichsten Gesichtsausdruck, einem prall gefüllten Sack und noch ein paar Extra-Überraschungsgeschenken im Heckbereich. Die plumpe Art, mit der dieser freundliche Herr sein Logo möglichst groß auf einem weißen Karton vor sich her trägt, hätte man besser lösen könne, siehe merci.

Fahrwerk
Bei der Entfernung der Kabine, die in allen Fällen problemlos und ohne Werkzeug gelang, fiel zunächst ein unangenehm Appetit erzeugender Geruch in der Laborküche auf. Dieser verteilte sich umgehend ins Fotostudio, wo die Testkandidaten ihre nackten Tatsachen präsentieren durften. Aber unsere Tester haben Stand gehalten!

Merci und der Goldbär, die sich ja schon in Ausgehuniform sparsam mit Beigaben präsentierten, haben, außer ihrem Firmenlogo auch jetzt wenig zu bieten und warten bis zum Fahrversuch, um mit inneren Werten zu überzeugen. Kinder und Milka verzichten, nachdem das Produkt verkauft ist und kurz davor steht der finalen Verwendung zugeführt zu werden, in vornehmer Zurückhaltung darauf noch mal mit der Präsentation der Marke zu nerven. Stattdessen erhöht die detaillierte Darstellung der Präsente die Feststimmung. Volle Punktzahl! Einen Fauxpas leistet sich der Vertreter von Lindt, der unter seiner demilitarisierten Ummantelung eine Rute mit sich führt und so kurz vor dem Verzehr Angst und Schrecken verbreitet. Um dieses rüpelhafte Auftreten zu kaschieren, hat er wohl seinen goldigen Kumpel mitgebracht …

Von der Materialanmutung her können alle fünf Kandidaten überzeugen und wecken Vorfreude auf die anstehende kulinarische Probefahrt. Von den beiden Premiumversionen mit weißem Geschmacksbooster hängt Milka die Messlatte mit den auffälligen Kuhflecken besonders hoch, Kinder lässt nur an den seitlichen Nähten den Materialmix erahnen.

Nutzlast
Im Gegensatz zu unseren sonstigen Testkandidaten kommen unsere Santas bereits werksseitig mit voller Nutzlast daher, Trickserei beim Gewicht ist daher nicht zu erwarten. Im Gegenteil, wir erfreuen uns an jedem Gramm Übergewicht. Von großzügigen Abfüllanlagen bei Kinder, die immerhin 6% mehr spendieren, als draufsteht, bis hin zu preußisch korrektem Gewicht bei merci, leidet kein Kandidat an Untergewicht.

Der Santa-Body-Index, ein speziell für Hohlkörper entwickelter Body-Mass-Index, beschreibt die Fitness der Testobjekte. Sicher ein heikles Thema bei unseren Kandidaten, die zeit ihres Lebens nur mit Schokolade vollgestopft wurden. Geradezu gesund liegen Milka und Kinder mit Werten unter 3,8, was mit dem Human-BMI von 24 verglichen werden kann.  Mit 4,29 hält sich Lindt gerade noch in der Spur mit leichter Tendenz zum Moppelkurs. Merci liegt deutlich sichtbar in der Region „Couch-Potatao“, obwohl noch knapp die 4 vor dem Koma gerettet werden kann. Deutlich abgeschlagen landet der Goldbär bei hoffnungslosen 7,13 Punkten, was sicher daran liegt, dass der zweite Vater mit seinen bunten Kalorienbomben aus der Tüte auch kein gutes Vorbild für ihn war.

Fahrbetrieb
Da diesmal mit extrem hohem Materialverschleiß auf der Teststrecke zu rechnen ist, läuft dieser Test ab wie bei Kochshows im Fernsehen. Eine neunköpfige Testcrew sitzt vor nummerierten Tellern mit den bereits filetierten Weihnachtsmännern. Dazu Arbeitsbeleuchtung, eine Kanne Leitungswasser und ein Zettel zum Ausfüllen. Wenn das Naschen von Schokolade derartig in Arbeit ausartet, sind selbst kampferprobte Kindermägen bis zum Anschlag gefüllt, bevor 50 Gramm vertilgt sind.

In den Nebenwertungen zu Haptik, optischem Eindruck und Schmelzverhalten gibt es ein dichtes Sack-an-Sack Rennen im Mittelfeld. Nur Milka kann sich deutlich absetzen, präsentiert sein Material nahezu so, wie man sich das vorstellt und erzeugt damit eine hohe Erwartungshaltung für die alles entscheidende Abschlussprüfung.

In zwei Durchgängen muss sich unsere Testcrew am Ende durch die Schokolade probieren. Was in Festtagslaune zum Genuss wird, ist im Alltag eine eher süß-klebrige Angelegenheit, spätestens beim zweiten Durchgang. Alle Kandidaten rutschen nicht schwungvoll von der Zunge, sondern hinterlassen eine lang anhaltende klebrige Zuckerspur. Selbst für Kindergeschmack sind am Ende alle zu süß.

Der Lindt-Vertreter überzeugt vor diesem Hintergrund mit dem besten Schokoladenaroma und zartem Schmelz, während völlig überraschend der bärige Kollege aus gleichem Hause und Milka gemeinsam die Schlusslaterne tragen müssen. Mit dem speziellen Verbundmaterial, das zum Markenzeichen geworden ist, erkämpft sich Kinder den zweiten Platz, auch wenn dieses das ganze Produkt künstlich wirken lässt.

Fazit
Trotz des Schwächeanfalls beim Geschmack kann Milka fast den Gesamtsieg einfahren. Zu überzeugend sind die Materialanmutung der Nutzlast und der überzeugende Außenauftritt.  Kinder mogelt sich mit soliden Leistungen in allen Disziplinen knapp daran vorbei. Dem Geschmacksmeister von Lindt bleibt nur der Ehrenplatz. Kleider machen eben Leute, auch wenn es nur ein roter Bademantel aus Alufolie ist…

Spaßbremsen könnten einwenden, dass alle Vertreter unnötig Stauraum vernichten, überteuert sind und geschmacklich nicht überzeugen. Aber wer sich keine abgesägte Tanne aufs Dach schnallen will, kann viel einfacher mit einem unserer Testkandidaten ein wenig Stimmung im Weihnachtsmobil zaubern. Nehmen sie den Kollegen den sie am lustigsten finden, und verzichten Sie darauf ihm irgendwann den Hals umzudrehen. Weihnachten ist ja das Fest der Liebe, nicht des vollen Magens. Ursprünglich zumindest.

Schokomanntest

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